"Daedalus Special" - Tauchsafari Ägypten 2010

Hai-Ja – Safari !
DAEDALUS SPECIAL - 08.04.2010 – 15.04.2010
DAEDALUS – Abu Kizan (Vater Kizan)
Die Erlebnisse am Daedalus-Riff 2006 waren mit die schönsten und spektalulärsten meiner 30jährigen Taucherfahrungen. Noch einmal zum Daedalus-Riff und da länger bleiben dürfen- das war mein Traum!
2010 wurde er mit der Organisation einer Gruppenreise wahr. Die M/Y THUNDERBIRD wurde gechartert und ich konnte das Ziel bestimmen. Der Plan war einfach: Kurzer Checktauchgang an der Küste, dann Überfahrt zum Daedalus-Riff (6 – 8 Std) und dort so lange wie möglich bleiben. Lange, ermüdende Kreuz- und Querfahrten sollten vermieden werden..
Das runde Riff liegt 180 km (6 bis 8 Bootsstunden) von Marsa Alam entfernt. Durchmesser 100 m. Steilwand bis in 500 m Tiefe. Man kann dort noch so viele Tauchgänge machen, immer wieder gibt es Neues zu entdecken. Das Daedalus Riff zeigt alles, was das Rote Meer zu bieten hat: Steilwand, Strömung, intakte Riffe, wunderschöne zum Teil riesige Korallen und deren Bewohner (Fische, Krebse, Garnelen) in allen Farben und Größen, Großfische einzeln oder in Schulen.
Ein Bericht über den Besuch des Leuchtturms erscheint gesondert.
Die 10köpfige Crew (incl. der beiden Guides, Claudia und Henrik) begrüßten uns herzlich an Bord. Das Schiff lief noch am selben Abend aus, in die Bucht von Marsa Shoona. Wir bekamen die ersten Instruktionen über das Verhalten an Bord und bei den Tauchgängen. Eine gewisse militärische Struktur wurde erkennbar. Am Marsa Shoona verbrachten wir beschaulich den ersten Abend und die erste Nacht.
6.00 Uhr früh, 09.04.2010
Das Checktauchen am Marsa Shoona wurde mit 3 Tauchgängen zum Üben genutzt: Während des Tauchgangs Ab- und Anlegen von Maske und Automat, sowie gegen Ende des Tauchgangs Setzen der Boje. Vor den Steilwand-Tauchgängen am Daedalus übten wir noch das Abenteuer „Zodiak-Tauchen“. Alle Übungen – gelungen oder nicht – wurden fotografisch festgehalten.
Und dann ging es los. Wir fuhren 7 ½ Stunden aufs offene Meer hinaus. In die Nacht. Innerhalb weniger Minuten lagen alle flach am Boden. Ein paar Tabletten wurden prophylaktisch „eingeworfen“. Gehen an Bord wurde ein gefährliches Abenteuer, das Aufsuchen der Toiletten eine Herausforderung. Gnadenlos, mit voller Kraft und in stoischer Auftragserfüllung hielt der Kaptain Kurs aufs georderte Ziel. Jeder Schritt wurde vermieden und wenn unbedingt nötig, sicherheitshalber auf allen Vieren. Die Sterne sausten in der Dunkelheit am Himmel wie verrückt hin und her. Ankunft am Daedalus-Riff: 0.30 Uhr. Endlich schlafen.
6.00 Uhr früh, 10.04.2010
Die erste Ankündigung beim frühmorgendlichen Briefing war die Aussicht auf Tauchgänge ausschließlich mit dem Zodiak, da ein Seidenhai (erst hieß es: Silberspitzenhai) ums Boot schleiche. Und mit dem solle näherer Kontakt vermieden werden, weil: Hochseehai, lästig, neugierig, groß, potentiell gefährlich.
Soweit die Planung. Es gab 2 Tauchgruppen, mit je 1 Guide. Die erste Gruppe mit Henrik absolvierte den Tauchgang ohne Probleme. Keine Haisichtung. Die Taucher waren schon an Bord, als bei Ankunft der 2. Gruppe die Hölle losbrach:
Lautes Geschrei, gebellte Befehle: „Raus! Raus! Raus!“ „ Schnell! – Hai!“ Chaos. Panik.
Als nach langen Minuten endlich alle sicher an Bord waren, wurde das Geschehen von den Guides und ein paar Tauchern geschildert:
Der erste Teil der Gruppe schwamm vom Ankerseil am Riff (von da war das Schiff zu sehen) zum Boot. Auf diese kurze Distanz war das Procedere mit Boje und Zodiak-Klettern eigentlich sinnlos. Man trieb langsam aber sicher sowieso zum Schiff. Als der erste Taucher an der Leiter war und der zweite Taucher dahinter wartete, ging plötzlich das Geschrei von oben und unten los: „Raus! Raus! Raus!... „
Der Hai war plötzlich da! Sehr groß! Sehr nahe!
Angeblich kam er von unten mit offenem Maul (!?) direkt auf die Füße des wartenden Tauchers zugeschwommen. Durch das Geschrei drehte er kurz ab, stand dann aber plötzlich unmittelbar bei den Tauchern an der Leiter, drehte wieder ab und schwamm unter dem 3. Taucher mit, der – völlig ahnungslos, ohne den Hai überhaupt zu bemerken - noch auf dem Weg war. Der Schreck war groß! Alle waren durcheinander.
Der 1. Tauchgang am Daedalus versprach jedenfalls eine überaus spannende Tauchsafari!
Alle restlichen Tauchgänge (16) verliefen bei sehr guter Sicht an einem wunderschönen Riff problemlos. Haie der verschiedensten Arten wurden bei fast allen Tauchgängen gesehen: Seidenhai, grauer Riffhai, Weißspitzen-Riffhai, Hammerhai (ganze Schulen), Fuchshai.
Das DAEDALUS-Riff bot uns allerdings weit mehr als nur Haie. Das vielfältige, bunte und überaus reiche Leben an diesem nur scheinbar unberührten Riff brachte uns alle zum Schwärmen und Staunen.
Während der ganzen Woche blies uns der Wind recht kräftig um die geschützten Ohren, bis auf 2 Tage, an denen es völlig windstill war. Da stieg schlagartig das Thermometer auf dampfige 30°C. Das Meer war glatt, nur eine leichte Dünung bewegte das Wasser. Und da klappten auch die Zodiak-Aktionen!
Die Tage verliefen nach einem strengen, autoritär durchgesetzten Plan:
6.00 Uhr Wecken
– kurzes Augenöffnen und Guten-Morgen-Murmeln. Ein Schluck Kaffee. Briefing.
7.00 Uhr
Tauchgang (mit dem Zodiak natürlich)
Anschließend Frühstück. Ausruhen. Erstes Nickerchen.
11.00 Uhr
Briefing. 2. Tauchgang (mit Zodiak natürlich)
Anschließend Mittagessen. Ausruhen. Zweites Nickerchen.
14.45 Uhr
Briefing. 3. Tauchgang (Zodiak, klar)
Anschließend kleiner Snack, Geplauder. Drittes Nickerchen. Logbuch schreiben, fachsimpeln, sonnen, meerschaun.
20.00 Uhr
Abendessen. Abendbriefing für den nächsten Morgen. Oder Kritikbriefing über die vergangenen Tauchgänge.
„BOOT“-CAMP-feeling.
21.00 Uhr
Zu Bett gehen. Aber vorher noch: Hai checken. Die Taucherlampen richteten sich aufs Wasser. Und da waren sie: Nach 2 Tagen waren es 4 riesige Seidenhaie, die unser Boot umkreisten. Der größte maß mindestens 3 m! Auch die Mutigsten unter uns verzichteten gerne aufs Schwimmen oder Schnorcheln.
In der Dunkelheit, im schwarzen Wasser, wirkten diese starken, wunderbaren Geschöpfe besonders bedrohlich.
Einmal wurde beobachtet, dass die Haie von einem anderen Boot aus gefüttert wurden.
Die medizinische Versorgung an Bord war hervorragend. Kostenlos standen Medikamente für die üblichen Taucherbeschwerden bereit:
Tabletten gegen Seekrankheit
Tabletten gegen „Montezumas Rache“
Nasenspray bei Druckausgleich-Problemen
Ohrentropfen bei Ohrenschmerzen
Alles wurde benutzt und für bestens befunden
Zum Schmunzeln – Persönliches - Bemerkenswertes
„hmmm – hmmm – hmmm – GO!” (one – two – three: GO! = Startbefehl zur Rückwärtsrolle aus dem Zodiak ins Wasser): des nachts im Schlaf: Anita
Unzertrennliches Dream-Team: Bettina und Helmut
„Mondfisch“- Finder: Fritz
Seidenhai-Abschrecker durch Vortäuschen von Größe: Dieter
Spurt im Verband zum Schiff mit Bugwelle bei Verdacht auf Hainähe: Claudia, Anita, Walter, Helga
Bojen-Verweigerer: Helga, Anita
Tapferer Seegang-Trotzer: Hans-Jürgen
Seegang-Resignierer: Norbert
Hai-Happen zum Fieseln: Gerhard
Immer die letzten Ankommer: Kirsten und Willi
Automaten-Durchgängigkeits-Tester: Fritz
Hai-Magnet: Bettina
Hai- und Schiffsbug-Fan: Walter
Gummibärchen-Depot-Besitzer und Hai-Nichtmöger: Lars
Überglücklicher Pessimist, der es genoss, am Riff vergessen worden zu sein: Jürgen
Bester Rückwärtsrolle-aus-dem-Zodiak-und-senkrecht-auf-5m-Abtaucher: Kirsten
Extrem-Frierer: Willi
Coole, liebenswerte, unproblematische und ruhige Profi-Taucherin: Rebecca
Versteckte Bullaugen Nichtfinder: Lars und Jürgen
„Gelbe“ Schildkröte Entdecker: Fritz und Rebecca
Der Gentleman zu jeder(zeit)mann: Jürgen
Der Vielschlafer: Alex
Pepperoni-Genießer, bei ausgeschalteter AC mit Hitzewallung: Helmut
Als wir am 13.04.10 abends die Küste wieder erreichten, erschienen die folgenden Tauchgänge an den Riffen von Abu Dabab II und Elphinstone ganz besonders easy und entspannt.
Port Ghalib hat sich zu einem Bilderbuchhafen entwickelt. Alles sieht unecht und wie auf einer Ansichtskarte aus. Hier verbrachten wir die letzte Nacht, bevor wir am 15.04.10 pünktlich in Marsa Alam starteten und vor der Island-Aschewolke in München landeten.
Eine schöne, gelungene Tauchsafari mit viel Spaß und einigen Abenteuern!
Teilnehmer:
Helga Schenkl; Anita Bach; Rebecca und Fritz Nagel; Alex und Norbert Kirschner; Gerhard Hentschel; Dieter Baumann; Hans-Jürgen Dworschak; Helmut Maier; Bettina Blomberger; Kirsten Brehm, Willi Pfäffel; Jürgen Riedel; Lars Liefeldt; Walter Engelhardt.
April 2010
Helga Schenkl