Auf den Spuren der kaiserlichen Hochseeflotte
Scapa Flow ist eine Bucht inmitten des Orkney-Archipels (Schottland). Ihre fünf umliegenden Inseln bilden eine Art Innensee. Durch diese besondere Lage wurde die Bucht in ihrer Geschichte oft als Naturhafen genutzt. Der Grund für unsere Reise sind die im Juni 1919 hier von der deutschen Marine selbst versenkten Schiffe der kaiserlichen Hochseeflotte – so wollte die Deutsche Marine die Auslieferung der Flotte an die Entente-Mächte nach dem Ende des Ersten Weltkrieges verhindern. Sieben der ursprünglich 51 versenkten Schiffe liegen noch immer auf dem Grund des Meeres – der Rest wurde geborgen und das Metall wiederverwendet.
Dort, wo die Nordsee auf den Atlantik trifft, stürzen wir uns in Trockentauchanzügen, mit Doppelflaschen und einer Stage in die 12 °C kalten Fluten, um uns genau diese mittlerweile unter Denkmalschutz stehenden verbliebenden Schiffe der Hochseeflotte anzuschauen. Auch wenn wir uns in einem Naturhafen befinden, haben wir mit zum Teil starker Strömung und hohen Wellen zu kämpfen – dazu kommen anspruchsvolle Tauchgänge mit Tauchtiefen von bis zu 45 Metern. Doch die besondere Atmosphäre, die die Wracks ausstrahlen, ist mit nichts auf der Welt zu vergleichen. Eigentlich tauchen wir in einem einzigen Unterwasser-Freilichtmuseum.
Morgens, 8 Uhr Briefing in der Lounge des Tauchschiffs MV Valhalla – unser fahrbares Zuhause für die nächsten Tage. Wir lauschen andächtig dem Briefing, welches nicht nur die wichtigsten Eckdaten zu dem jeweiligen Tauchgang, ein Schaubild des aktuellen Wracks, sondern auch einen kleinen Exkurs in die Geschichte des jeweiligen Schiffes, seiner Besatzung und weitere Anekdoten bereithält. Wir, das sind vier technische Taucher aus England und vier Mitglieder des Ingolstädter Tauchclubs, die sich für gute und durchaus erfahrene Taucher gehalten haben – zumindest bislang. Aber gleich nach dem ersten Tauchgang wird klar: Scapa Flow spielt in einer ganz eigenen Liga und ist mit keinem Ort zu vergleichen, an dem wir bislang getaucht sind.
Unter den verbliebenen Wracks sind die Schlachtschiffe SMS König, SMS Kronprinz Wilhelm und SMS Markgraf, welche eine Länge von über 175 Meter und eine Breite von knapp 30 Metern aufwiesen und damit zu den größten Schlachtschiffen ihrer Zeit zählten. Schon alleine die immense Größe ist beeindruckend und mit einem einzigen Tauchgang nicht zu erfassen.
Aber auch das maritime Leben kommt bei diesen Tauchgängen nicht zu kurz. Neben unzähligen Seesternen unterschiedlichster Art, Plattfischen und Dorschen, waren auch überraschend bunte Brassen anzutreffen. Einige der Schiffe sind mittlerweile so von Weichkorallen und Kelb bedeckt, dass die Konturen zu verschwimmen beginnen. Der einstige Stolz der kaiserlichen Marine ist nun ein vielfältiger Lebensraum für die Flora und Fauna des Meeres.
Praktischerweise bringt uns unser Zuhause – die MV Valhalla mit ihrer Kapitänin Hazel – uns so präzise zu den Tauchplätzen, dass wir bei keinem der Tauchgänge ein Problem haben mit der weit über 60 kg schweren Tauchausrüstung von und wieder an Bord zu kommen – größtenteils ist dies vermutlich dem Aufzug geschuldet. So ruiniert nichts unsere insgesamt zehn unvergesslichen und unvergleichlichen Tauchgänge.
Aber auch außerhalb des Wassers haben die Orkney Inseln einiges zu bieten. Die vielen kleinen Dörfer in der weitläufigen Heidelandschaft liegen malerisch zwischen den Hügeln eingebettet und zeigen idyllische Natur. Trotz des doch recht rauen Klimas beweisen die „Stones of Stenness“ – 12 oval angeordnete Monolithen, ähnlich wie die in „Stonehenge“ – dass die Inselgruppe bereits sehr früh von Menschen besiedelt wurden. Aber auch die verschiedenen Museen Kirkwalls oder die beiden Whiskey-Destillerien sind einen Besuch wert.












